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Aufgaben der Bau- und Kunstdenkmalpflege

Gera, Siedlungsbauten Laasener Straße (Foto: TLDA)

Zweistöckiger gelbverputzter Wohnblock mit Balkonen und Fenstern über Eck

Ebeleben, Parkanlage, Große Kaskade (Foto: TLDA)

Parkanlage mit großem Brunnenbecken, symmetrischer Wegeführung und Putten

Nordhausen, Domstraße 12, Bohlenstube (Foto: TLDA)

Blick in eine Bohlenstube mit Fensterfront auf der linken Seite

Sondershausen, Petersenschacht (Foto: TLDA)

Weißes Industriegebäude im Jugendstil mit 44 m hohem Stahlgerüst als Förderturm

Arnstadt, Liebfrauenkirche (Foto: TLDA)

Restaurierter Altar in einer Kirche

Das Thüringische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie ist als Fachbehörde eine nachgeordnete Einrichtung der Thüringer Staatskanzlei. Ihm obliegt die Fürsorge für die Kulturdenkmale im Freistaat Thüringen.
Laut Thüringer Denkmalschutzgesetz hat das Thüringische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie unter anderem folgende Aufgaben:

  • Beratung und Unterstützung der Eigentümer und Besitzer von Kulturdenkmalen bei der
    Pflege, Unterhaltung und Wiederherstellung (Denkmalpflege)
  • systematische Aufnahme der Kulturdenkmale (Inventarisation)
  • Führung des Denkmalbuches,
  • wissenschaftliche Untersuchung der Kulturdenkmale als Beitrag zur Erforschung der Landesgeschichte
  • Erarbeitung methodischer Grundlagen auf dem Gebiet der Restaurierung und Konservierung
  • Stellungnahme als Träger öffentlicher Belange in förmlichen Verfahren nach Bundes- und Landesrecht
  • Öffentlichkeitsarbeit, um das Verständnis für Denkmalschutz und Denkmalpflege zu wecken und zu fördern

 

Fachreferate

  • Die Städtebauliche Denkmalpflege zielt darauf ab, bauliche und gestalterische Zusammenhänge zu bewahren, insbesondere die von städtischen bzw. dörflichen Strukturen und Ortskernen sowie von denkmalrelevanten Elementen und Bereichen der Kulturlandschaft. Ferner obliegt ihr die Ermittlung der differenzierten Raumwirkung von Kulturdenkmalen und sie fordert den daraus resultierenden Umgebungsschutz ein.

    Die zentralen Aufgaben der Städtebaulichen Denkmalpflege umfassen vor diesem Hintergrund die Wahrnehmung der Belange der Bau- und Kunstdenkmalpflege in öffentlichen Planverfahren nach Bundes- und Landesrecht, das heißt die Fachberatung im Frühstadium, die Mitwirkung im Genehmigungsverfahren und die Erarbeitung von Stellungnahmen.
    Dabei bringt sich die städtebauliche Denkmalpflege möglichst frühzeitig in Planungsprozesse (Bundes-, Landes-, Regional- und Kommunalplanung) ein, um somit bereits präventiv den Schutz von Kulturdenkmalen abzusichern.

  • Gartendenkmale bestehen – im Gegensatz zu baulichen Denkmalen – vorwiegend aus pflanzlichem, und damit lebendem Material. Das heißt sie wachsen und  verändern ihr Erscheinungsbild mit den Jahreszeiten abhängig von der Art und dem Wachstum der Pflanzen und  von der Pflege.

    Dabei besteht ein Garten nicht nur aus bepflanzten Flächen, sondern auch aus baulichen Elementen, wie Wegen, Mauern, Treppen, Gartenhäusern und andere. Weit größer noch als bei einem Gebäude ist die Vielfalt an gestalterischen Prinzipien und Möglichkeiten, nach denen Gartenräume, Sichtachsen, Bodenmodellierungen und andere arrangiert und komponiert werden. Man spricht daher von Gartenkunst – den konservatorischen Umgang mit den Zeugnissen der Gartenkunst, also das Bemühen, historische Anlagen und Anlagenreste zu erhalten bzw. wiederherzustellen nennt man Gartendenkmalpflege.

    Historische Gärten und Parkanlagen gehören mit zum schönsten kulturellen Erbe Thüringens. Dazu gehören, als  Folge der Kleinstaaterei, viele fürstliche Parkanlagen, wie der Schlosspark in Ebersdorf, der Altensteiner Park oder die zum Welterbe der UNESCO gehörigen Weimarer Parkanlagen, aber auch Villengärten und Villenparks – vor allem am Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden zahlreiche vornehme Villen mit ihren Gärten, so etwa der Park Bergfried in Saalfeld und der Park Hohenrode in Nordhausen.

    Zum gartenkünstlerischen Erbe gehören jedoch nicht nur Park- und Gartenanlagen im engeren Sinne sondern auch städtische Grünanlagen, wie der in den 1920er Jahren angelegte Nordpark in Erfurt und, ein in Deutschland herausragendes Zeugnis der Gartenkultur der 1960er Jahre, die iga’61, der heutige egapark – aber auch Friedhöfe, Alleen, Kuranlagen, Kleingärten, Grünanlagen in Wohnsiedlungen und andere gestaltete Freiflächen.

    Manche dieser Grünanlagen existieren, in wechselnder Gestaltung bereits seit dem 17. oder 18. Jahrhundert, einige, wie der Küchengarten in Gera oder der Camposanto in Buttstädt sogar seit dem 16. Jahrhundert am selben Ort. Damit zählen sie zu den ältesten, heute noch erhaltenen, gestalteten Siedlungsbereichen.

    Viele dieser Gartendenkmale sind mit den Namen großer Künstler verbunden, wie dem Fürsten Pückler-Muskau, Carl Eduard Petzold, Henry van de Velde, Hermann Muthesius, Thilo Schoder, Heinrich Siesmayer, Lossow und Kühne, Max Bromme und Reinhold Lingner.

  • Die denkmalfachliche Beratung und Begleitung von Konservierungs- und Restaurierungsmaßnahmen von Kunst- und Kulturgut zählen zu den hoheitlichen Hauptaufgaben des Landesamtes. Das Augenmerk liegt dabei auf historischen Ausstattungsstücken sowie Raum- und Architekturfassungen unterschiedlichster Art in kirchlichen, öffentlichen und privaten Kulturdenkmalen, Kleindenkmälern und einigen wenigen beweglichen Kulturdenkmalen in Thüringen.

    Zu den Ausstattungsstücken gehören unter anderem alle mit dem Bauwerk fest verbundenen oder aber auch beweglichen Gegenstände, die integraler Bestandteil einer historischen Raumkonzeption oder einer historisch abgeschlossenen Neuausstattung oder Umgestaltung sind, oder die in der Vergangenheit in das Baudenkmal eingefügt wurden und als denkmalkonstituierende Zutat seine Geschichte mitprägen.

    Das Fachreferat unterstützt einerseits die Abteilung Praktische Denkmalpflege, andererseits berät es die Denkmaleigentümer bei Restaurierungsmaßnahmen. Das Spektrum reicht hierbei insbesondere von der frühzeitigen Einbindung in die Planungsphase und Konzeptfindung über die Begleitung der Konservierungs- und Restaurierungsarbeiten bis hin zu Fragen der Schädlingsbekämpfung, Dekontamination, Prävention oder der Dokumentation.

    Aufgrund der unterschiedlichen Materialien und Materialkombinationen, der jeweiligen Entstehungs-, Nutzungs- und Überlieferungsgeschichte der Objekte, der Umgebungsbedingungen und zahlreicher anderer Einflussfaktoren, die sich auf die Erhaltung auswirken, sind fachübergreifende Anforderungen zu berücksichtigen. Dazu zählen materialtechnische, handwerkliche, kunstwissenschaftliche, geschichtliche und ästhetische Aspekte. Angesichts der Komplexität gehört die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit angrenzenden Fachdisziplinen (zum Beispiel Statik, Bauphysik, Klima, Werkstoffwissenschaft, Kunstwissenschaft) zum regelmäßigen Arbeitsbild.

    Das Fachreferat umfasst die folgenden Spezialisierungen:

    • Wand- und Deckenmalerei sowie Farbfassungen und historische Putze auf Architekturoberflächen im Innen- und Außenbereich, Bildwerke, Ausstattungsgegenstände aus Naturstein, Kunststein und Keramik (zum Beispiel Bauzier, Kacheln, Bodenfliesen, Skulpturen, Grabsteine, Epitaphe, Wegekreuze und Bildstöcke), plastische Stuckarbeiten und Stuckmarmor
    • Holzsichtige und gefasste Kunstwerke und Ausstattungen in Denkmalen (zum Beispiel Altäre, Kanzeln, Emporen, Kirchengestühl, Wandverkleidungen oder Mobiliar, Kruzifixe und Skulpturen)
    • Textil / Gewebe / Leder / Papier / Tapeten
    • Leinwand- und Tafelgemälde sowie Bildwerke auf Metall
    • Kunst- und Kulturgut aus Metall (zum Beispiel liturgische Gegenstände, Leuchter, Bildwerke und Skulpturen, Zaunanlagen, Brunnen, Grabmalzubehör, Sarkophage) 
    • Glasmalerei und historische Glasfenster, historische Dekorations- und Konstruktionstechniken und damit verbundene Trägermaterialien und Technologien, Mosaik
    • Glocken als Kunst-, Kultur- und Musikdenkmale einschließlich ihrer Tragwerke, Turmuhren
    • Orgeln als komplexe Klang-, Kunst- und Technikdenkmale

Sachgebiete

  • Dr. Thomas Nitz
    thomas.nitz@tlda.thueringen.de

    Eine der wesentlichen Aufgaben der Denkmalpflege ist es, Bauten als anschauliche, auch in der Zukunft befragbare Quellen zur Kulturgeschichte an ihrem historischen Ort zu bewahren. Daher sind Kenntnisse über die Bauten in Text, Bild und Zeichnung die unerlässliche Grundlage für einen verantwortlichen Umgang mit Denkmalen.

    Für solche Denkmale, deren Baugeschichte aufgrund des hohen Alters oder besonders vieler historischer Veränderungen und Umbauten über das normale Maß hinaus kompliziert ist, wird die Erarbeitung der genannten Grundlagen durch die „Historische Bauforschung“ geleistet.

    Dabei wird zunächst die materielle Beschaffenheit des Baudenkmals möglichst genau und systematisch erfasst. Diese Analyse der Bausubstanz umfasst immer die zeichnerische Aufnahme in Form eines wirklichkeitsgetreuen Aufmaßes, bei dessen Erstellung zugleich  historisch-bautechnische und auch kunstwissenschaftliche Aspekte untersucht werden. Weiterhin werden in der Regel historische und archivalische Recherchen, Interpretation überlieferter Bildquellen und je nach Bedarf naturwissenschaftliche Untersuchungen einbezogen. Finden am Objekt auch Bodeneingriffe statt, arbeiten Bauforschung und Archäologie eng zusammen. Ist das Baudenkmal mit wertvollen Fassungen ausgestattet, werden zur Erfassung dieser Schichten Restauratoren zugezogen.

    Die Erkenntnisse müssen systematisch dokumentiert, ausgewertet und verständlich dargestellt werden. Häufig werden als ein Ergebnis farbige Baualterspläne erarbeitet, denen zu entnehmen ist, aus welcher Zeit die verschiedenen Bauteile stammen. Als sehr sinnvoll hat sich auch die Zusammenfassung in Form von „Bindungsplänen“ erwiesen, in denen dargestellt ist, welche Bereiche im Bestand erhalten werden sollen und welche Bereiche gegebenenfalls verändert werden können oder sollen.

    Die Ergebnisse einer solchen bauhistorischen Untersuchung sind nicht nur für die unmittelbar anstehenden Veränderungen und Baumaßnahmen wichtig, sondern sie müssen auch für die Zukunft bewahrt werden. In der Regel verbleibt daher ein Exemplar des Untersuchungsberichtes in archivfähiger Form beim Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie.

    Bauforschung wird in der Denkmalpflege in drei Bereichen eingesetzt:

    Sanierungsvorbereitende bauhistorische Untersuchungen, zur Ermittlung der Grundlagen, die für eine Planung zur Sanierung oder Umbau notwendig sind
    „Ärztliche Akutbehandlung mit Anamnese, Diagnose und Therapieempfehlung“

    Die Ergebnisse der historischen Bauforschung führen zu einer Präzisierung der Denkmalbewertung und ermöglichen denkmalgerechte Umbauplanungen. Wirtschaftliche und nachhaltige Baumaßnahmen an Baudenkmälern fußen stets auf einer qualifizierten Bauforschung. Die Bauforschung dient also nicht nur der Denkmalpflege, sondern ebenso dem Architekten wie dem Bauherrn.

    Bauhistorische Untersuchungen im Dienste der Denkmalkunde
    „Grundlagenforschung zur Verbesserung der vorbeugenden Maßnahmen und zur Optimierung der Therapien“

    Durch gezielte Untersuchungen wird die wissenschaftliche Bewertung einzelner Denkmale oder Denkmalgruppen unterstützt. Dies ist besonders im Bereich der anonymen Architektur – zum Beispiel Bürgerhäuser und Bauernhäuser wichtig, wo klassische kunstwissenschaftliche Methoden in der Regel nicht anwendbar sind.

    Bauhistorische Dokumentationen von Denkmalen vor deren Abbruch
    „Pathologische Untersuchungen zur Verbreiterung der wissenschaftlichen Grundlagen des Faches“

    Wenn es aus welchen Gründen auch immer zum Abbruch eines Kulturdenkmals kommt, ist vor Abbruch stets eine bauhistorisch fundierte Dokumentation anzufertigen und zu archivieren. Solche Dokumentationen sind als Vergleichsbasis für denkmalkundliche Bewertungen noch erhaltener Bauten wichtig.

    Nicht zuletzt kann künftigen Generationen in Form von Dokumentationen noch übermittelt werden, was unserer Generation so wichtig war, daß es als Denkmal ausgewiesen wurde.

  • Sabine Guzowski
    sabine.guzowski@tlda.thueringen.de

    Thüringen ist ein Land, in dem bedeutsame Teile der deutschen Industriegeschichte mitgeschrieben wurden. Die Wirtschaft des Landes Thüringen hatte zu keiner Zeit eine Monostruktur aufzuweisen. Dies resultierte unter anderem aus seiner geografischen Lage in der Mitte Deutschlands mit unterschiedlichen Rohstoff-Profilen, seiner kleinstaatlichen Struktur und einer daraus resultierenden dezentralen Standortentwicklung.

    So gibt es heute eine Vielzahl materieller Hinterlassenschaften der Industrialisierung. Die Objekte der Industriedenkmalpflege reichen von alten Brücken an der Werra bis zu architektonischen Zeugnissen des Automobilbaus, welche ja erst auf eine einhundertjährige Geschichte zurückblicken können.

    Das Referat Industriedenkmalpflege befasst sich bei den Denkmalen der Technik- und Industrie sowie der Wirtschaftsgeschichte um die Belange der praktischen Denkmalpflege und begleitet die Bauvorhaben und berät bei Sicherung, Sanierung, Nach- und Umnutzungen.

    Herausforderungen im Umgang mit dieser Denkmalgattung liegen unter anderem oft in der Größe von technischen Artefakten und Industrieanlagen sowie in der Sicherung ihrer Maschinen und Anlagen.

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