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Aufgaben der Archäologischen Denkmalpflege

Urkunde einer Unterschutzstellung eines Bodendenkmals von 1989 (Foto: TLDA)

Urkunde auf leicht vergilbtem Papier, Schreibmaschinenschrift

Grabungstechniker beim Vermessenen einer Bestattung, frühmittelalterliches Gräberfeld Gotha-Boilstädt 2013 (Foto: TLDA)

Grabungstechniker neben freigelegtem Skelett und vermisst Grab mit Messgerät

Auswahl einiger Altfunde von der Steinsburg auf dem Kleinen Gleichberg, Lkr. Hildburghausen (Foto: TLDA)

Flachen Holzkiste mit kleinen Eisenfunden und vielen Tonperlen

Culm, Lkr. Greiz, 2015 wiedererrichtetes Steinkreuz, Original eventuell Sühnemal, errichtet im 15. Jahrhundert, verschollen 2005 (Foto: TLDA)

Auf Grünstreifen neben zwei jungen Bäumen steht ein Kreuz aus hellem Stein


Das Thüringische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie am Standort Weimar ist als unabhängige Fachbehörde für den Erhalt und den Schutz archäologischer und paläontologischer Denkmale, Bodendenkmale und Objekte zuständig und vereint die im Thüringer Denkmalschutzgesetz verankerten zentralen Aufgaben der Landesarchäologie.

Dazu gehören denkmalrechtliche Erlaubnisverfahren: Kommt es zu Baumaßnahmen in archäologisch relevanten Gebieten, wird das Landesamt als Träger öffentlicher Belange um fachliche Stellungnahme gebeten. Auf diese Gutachten basiert die Durchführung der meisten archäologischen Ausgrabungen. Ziel ist, die archäologischen Spuren (zum Beispiel Gräber, Siedlungsspuren oder Schatzverstecke), die bei ihrer Ausgrabung zerstört werden, durch eine wissenschaftliche Dokumentation zu sichern und damit in indirekter, archivierter Form für die Nachwelt zu erhalten. Reine Forschungsgrabungen werden durch das Landesamt nicht durchgeführt. Das Landesamt ist auch zuständig für Beratung und Abstimmungen gegenüber Denkmalschutzbehörden, Denkmaleigentümern und Planern, bewilligt hier beantragte Fördermittel und stellt Steuerbescheinigungen aus.

Doch Archäologie bedeutet mehr als Ausgrabungen. Auch die Archivierung der Grabungsdokumentationen, die Inventarisierung der Funde und die wissenschaftliche Auswertung durch eine interdisziplinäre Erforschung gehört zu den Aufgaben des Landesamtes, um die Erkenntnisse zu sichern und die Lebenswelt unserer Vorfahren zu rekonstruieren. Das Landesamt bündelt die Forschungsarbeiten zur ältesten Geschichte Thüringens unter Einsatz moderner Dokumentationstechnik, bei der Restaurierung und Erfassung der Funde. An der wissenschaftlichen Auswertung sind neben Archäologen auch Naturwissenschaftler der Anthropologie, Geophysik, Chemie sowie der Archäoinformatik und Numismatik beteiligt. Es stehen ein modernes Archäometrie-Labor, eine Restaurierungswerkstatt, eine wissenschaftliche Bibliothek und eine EDV-vernetzte Datenbank zur Verfügung.

Die Vermittlung von Forschungsergebnissen und des Wissens um die Geschichte und Lebenswelten unserer Vorfahren obliegt ebenfalls laut gesetzlichem Auftrag dem Landesamt. Die Erkenntnisse aus den wissenschaftlichen Forschungen und Projekten fließen gleichermaßen sowohl für die breite Öffentlichkeit als auch für die Fachwelt in wissenschaftliche und populärwissenschaftliche Publikationen der Archäologischen Denkmalpflege ein. Anschaulich vermitteln das zum Landesamt gehörige Museum für Ur- und Frühgeschichte Thüringens in Weimar und das Steinsburgmuseum in der Außenstelle Römhild das Wissen um die Thüringer Vergangenheit. Neben musealer Dauerausstellung und museumspädagogischen Angeboten für Alt und Jung zeigen regelmäßig unterschiedlichste Veranstaltungen und Aktionen die aktuelle Forschungen, Ausgrabungen und Projekte. Archäologie und Landesgeschichte Thüringens werden damit für jedermann anschaulich erlebbar.

Unterstützung erhält die Fachbehörde durch zahlreich ehrenamtlich arbeitenden Bodendenkmalpfleger, die fachlich durch das Landesamt angeleitet und koordiniert werden. Auch nimmt das Landesamt Meldungen von archäologischen Funden entgegen.
 

Interdisziplinäre Arbeitsbereiche:

  • Diese Prospektion umfasst die Erkundung archäologischer Strukturen mithilfe von geophysikalischen Methoden – ohne den Boden zu verändern. Da die meisten Bodendenkmale an der Oberfläche nicht sichtbar sind, müssen sie für einen wirksamen Schutz erst einmal entdeckt und dann möglichst genau dokumentiert werden.

    Die geophysikalischen Messmethoden arbeiten zerstörungsfrei und sind daher besonders geeignet. Über Untersuchungen etwa des Magnetfeldes oder des Bodenwiderstandes können Strukturen wie alte Mauern oder Gräben im Boden an einer potenziellen Fundstelle sichtbar gemacht werden.

  • Die Anthropologie ist die wissenschaftliche Untersuchung menschlicher Überreste, wie sie häufig auf archäologischen Ausgrabungen geborgen werden. 
    Aus Knochen und Zähnen können Rückschlüsse auf die verstorbenen Personen gezogen werden: ihr Geschlecht, Sterbealter, Körperstatur, Krankheiten oder Todesumstände. Die Untersuchung mehrerer Skelette eines Gräberfeldes kann zum Beispiel auf typische Lebensumstände einer Gemeinschaft schließen lassen, darunter Ernährung oder auch Verwandtschaftsbeziehungen.

    Die Ergebnisse helfen, den archäologischen Fundzusammenhang besser zu verstehen und geben Einblicke in das Leben der Menschen vor Jahrhunderten oder Jahrtausenden. Das methodische Spektrum der Anthropologie reicht von der makroskopischen Betrachtung und Vermessung der Skelettelemente über mikroskopische, radiologische und biochemisch-analytische Untersuchungen.

  • Archäologische Objekte sind in Folge langer Bodenlagerung durch chemische und physikalische Prozesse in ihrer Beschaffenheit stark verändert worden. Korrosionsprozesse an Metall- und Glasobjekten, der Abbau organischer Materialien und mechanische Einflüsse haben die Funde oft bis zur Unkenntlichkeit verändert. Die Restauratoren untersuchen die Objekte auf Form, Material, Eigenschaften, Herstellungstechniken und Gebrauch der Objekte.

    Konservatorische und restauratorische Maßnahmen schützen die Funde vor weiterem Zerfall und ermöglichen die weitere wissenschaftliche Auswertung. Die Verantwortung des Restaurators erstreckt sich aber nicht nur auf den Augenblick in dem die Bodenfunde durch den Restaurator bearbeitet werden, sondern auch auf die Zeit danach im Magazin oder in einer Präsentation.  

  • Im  Archäometrielabor werden archäologische Objekte mit naturwissenschaftlichen Methoden untersucht. Fragen der Material- und Herkunftsbestimmung von anorganischen Stoffen wie Metall, Keramik und Glas, aber auch Mörtel- und Bodenproben stehen im Vordergrund. Zum Einsatz kommen dabei möglichst zerstörungsarme bzw. zerstörungsfreie Untersuchung, wie zum Beispiel die sogenannte Röntgenfluoreszenzanalyse.

    Die archäometrischen Auswertungen erbringen dabei oft entscheidende „Puzzleteile“ zur Interpretation archäologischer Zusammenhänge. Neben den praktischen Untersuchungen wird auch die Entwicklung neuer Methoden betrieben. Dies geschieht auch in verschiedenen Projekten mit Universitäten, anderen Landesämtern oder der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

  • Die Numismatik, auch Münzkunde genannt, beschäftigt sich mit der Erforschung von Geld und seiner Geschichte. In der Zeit der Römer und Kelten, das heißt seit etwa Christi Geburt, tauchen auf Thüringer Gebiet erstmals Münzen und münzähnliche Zahlungsmittel auf. Ihr Aussehen, also ihre unterschiedliche Prägung, kann, zum Beispiel durch dargestellte Herrscher und Vergleiche mit anderen Münzen, wertvolle Datierungshinweise für archäologische Fundplätze liefern.

    Auch das Material, also ob die Münze zum Beispiel aus Silber bestand und welchen Reinheitsgehalt dieses Silber hat, können Anhaltspunkte für Datierung und geschichtliche Zusammenhänge sein. Für die Erforschung der Wirtschaftsgeschichte eines Fundplatzes können auch Münzprägeorte und verschiedene zusammen auftretende Münztypen bedeutsam sein.

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