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Zeitreise ins Mittelalter und ins 19. Jh. von Rudolstadt, Lkr. Saalfeld-Rudolstadt

Im Zentrum von Rudolstadt wurden 2019 Bauarbeiten zur Erneuerung von Trinkwasser- und Abwasserleitungen durchgeführt. Da die Stadt auf eine bewegte Geschichte zurückblickt, wurde die Maßnahme archäologisch durch das Thüringische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie (TLDA) begleitet.

Die spätmittelalterliche Stadtmauer verlief vom Schlossberg kommend im Umfeld der Vorwerksgasse gen Süden, bog in West-Ost-Richtung entlang der Mauerstraße sowie „Hinter der Mauer“ ab und wand sich an ihrem östlichen Ende nach Norden parallel zur Freiligrathstraße. Man nahm an, dass das heute noch im Stadtbild vorhandene denkmalgeschützte, jedoch bereits mehrfach ausgebesserte Mauerwerk im Süden der Stadt auf den Resten der niedergelegten Mauer verläuft bzw. zu den Stadtmauerresten gehört. Einen archäologischen Nachweis gab es dafür bislang nicht.

Stadtmauer unterhalb einer Grundstückseinfahrt im westlichen Abschnitt der Straße Hinter der Mauer (Foto: TLDA)

Freigelegte Steinmauer mit vier Steinreihen unter heutigem Erdboden erhalten

An der Nordseite der Straße Hinter der Mauer traten an mehreren Stellen ab einer Tiefe von 0,15 m unter dem modernen Straßenniveau Überreste der Stadtmauer zu Tage. Insgesamt konnten so 13,47 m derselben bis zu ihrer Gründung dokumentiert werden. Auf den gewachsenen Lehm war zunächst der 1,35 m starke Mauerfuß aus unterschiedlich großen Grauwackebruchsteinen in Lehm gesetzt worden. Darüber folgte das etwa 1,10 m breite, aufgehende Mauerwerk aus in Kalkmörtel gesetzten Kalksandsteinquadern und kleinteiligem Füllwerk in Schalenmauertechnik. Die hier aufgefundenen Überreste gehören zur zweiten Bauphase der Stadtbefestigung. Im Thüringer Grafenkrieg 1342–1345 wurde ein Großteil der Stadt einschließlich ihrer ersten Befestigung zerstört. Beim Wiederaufbau wurde das Gebiet erweitert und daher im Süden mit einer neuen Stadtmauer versehen.

Im Kreuzungsbereich Saalgasse/Hinter der Mauer konnte zudem der Teil eines Grabens mit mehreren neuzeitlichen Verfüllschichten aufgenommen werden. Es dürfte sich hierbei um den Stadtgraben im Umfeld des ehemaligen Saaltores handeln.

Detail des neuzeitlichen Steinkanals (Freiligrathstraße) (Foto: TLDA)

Kanal aus aufgeschichteten, großen eckigen Steinen und Steinboden

Über die gesamte Länge der Freiligrathstraße wurden Teile eines Steinkanalsystems aus Schieferplatten (Sohle, Abdeckung) und Sandsteinblöcken (Seitenwände) freigelegt. Mit einem Gefälle zwischen 0,7 % und 7,9 % wurde hierin das Abwasser von den umliegenden Häusern zunächst in einen Hauptkanal und von dort Richtung Saale entsorgt. Dieser Kanal kann anhand von Quellen in das 19. Jh. datiert werden – eine Zeit, in der die stark wachsende Einwohnerzahl neue hygienische Herausforderungen mit sich brachte.

Arlett Ulbricht


Dr. Ines Spazier
Gebietsreferentin Ostthüringen, TLDA, Weimar

Tel.: 0361 / 57 3223 343
E-Mail: ines.spazier@tlda.thueringen.de

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