Seitenbeginn . Zur Hauptnavigation . Zum Seiteninhalt

Medieninformation

Archäologie an der Ferngastrasse in Seisla, Saale-Orla-Kreis


Im Zuge der Erneuerung der ca. 110 km durch Süd- und Ostthüringen verlaufenden Erdgasleitung EGL 442 führte das Thüringische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie (TLDA) seit August 2019 bauvorgreifende archäologische Ausgrabungen durch. In der Gemarkung Seisla, Saale-Orla-Kreis, wurden bei den Untersuchungen die beiden vorerst letzten Fundplätze mit beachtlichen Fundinventaren entdeckt.

Grabungsfeld mit Arbeitern
Seisla, Saale-Orla-Kreis, der westlich liegende Fundplatz mit denen in den Sand eingetieften Befunden (Foto: Frank Schönfeld, TLDA, Weimar)
Freigelegtes Tierskelett
Seisla, Saale-Orla-Kreis, westlicher Fundplatz, die Dokumentation des Hundeskelettes (Foto:F. Schönfeld, TLDA, Weimar)
Erdverfärbungen geben im Boden Umrisse zweier Gruben an
Seisla, Saale-Orla-Kreis, westlicher Fundplatz, zwei tiefe Speichergruben (Foto: Frank Schönfeld, TLDA, Weimar)
Verfärbungen und Steine im Boden übereinander geschichtet
Seisla, Saale-Orla-Kreis, östlicher Fundplatz, Profil durch eine Ofenanlage (Foto: Frank Schönfeld, TLDA, Weimar)
Goldene Münze mit aufgeprägtem Kreuz, 13 mm Durchmesser
Seisla, Saale-Orla-Kreis, die Goldmünze, ein sogenanntes Regenbogenschüsselchen mit Prägung, fand sich in einer Abfallgrube (Foto: H. Arnold, TLDA, Weimar)

Der westliche Fundplatz in Seisla befand sich auf einem sanft nach Osten abfallenden Hang über einem Tal. Bei den hier anstehenden, hellgelben Sanden handelt es sich um strandnahe Ablagerungen des Zechsteinmeeres. In diese waren zahlreiche, dicht beieinander angeordnete, runde Gruben eingetieft. Sie hatten Durchmesser von bis zu 1,70 m und Tiefen von bis zu 1,60 m. Diese Gruben dienten in der Siedlung der Aufbewahrung von Vorräten. Zu den aus den Grubenverfüllungen geborgenen Funden gehören Tierknochen, Fragmente von Mahlsteinen und Keramikscherben. Letztere erlauben eine Datierung des Fundplatzes an den Übergang von der Spätbronzezeit zur frühen vorrömischen Eisenzeit (850 bis 750 v. Chr.). In einer der Gruben war zum Ende ihrer Nutzung ein großer Hund vermutlich als Opfer bestattet worden.

Auch auf dem östlichen Fundplatz in Seisla wurde ein Bereich von zahlreichen Vorratsgruben dominiert, die in das harte Dolomitgestein gegraben waren. Sowohl ihre Durchmesser als auch Tiefen betrugen rund 1,60 m. Auffallend sind ihre sehr einheitlichen, kegelstumpfförmigen Profile. An die Gruben schloss sich eine Fläche, die Spuren (Erdverfärbungen von einstigen Pfostenlöchern) von Gebäuden in Pfostenbauweise zeigte. Funde von Wandverputz aus Lehm liefern weitere Informationen zur Bauweise der Häuser. Zwischen diesen befanden sich weitere, technisch genutzte Gruben und Ofenanlagen. Die Öfen wurden zum Backen von Brot, zum Dörren von Lebensmitteln oder zum Brennen von Keramik genutzt. In einen 2,70 m langen Ofen wurde nach anfänglicher Nutzung nachträglich eine Steintenne eingezogen. Er besaß ein auf Pfosten ruhendes Dach.

In dem östlichen Fundplatz von Seisla belegen darüber hinaus Funde von Eisen- und Buntmetallschlacken, Spinnwirteln, Webgewichten und Mahlsteinen die Ausübung von Metallurgie, Textilverarbeitung, Keramikherstellung und Nahrungsmittelverarbeitung. Für den Besitzer ein schmerzlicher Verlust, für die Archäologie hingegen ein Glücksfall ist der Fund einer seltenen Goldmünze. Es handelt sich um ein sogenanntes Regenbogenschüsselchen. Ein eiserner Tüllenmeißel könnte beim Eintiefen der Vorratsgruben in das harte Dolomitgestein Verwendung gefunden haben. Eine technologische Neuerung stellte eine Drehmühle zum Mahlen von Getreide dar, von der ein durchlochter Mahlstein erhalten blieb. Durch charakteristische Keramikscherben und durch den Fund einer Gewandschließe (Fibel) lässt sich der Fundplatz in die Zeit des 1. Jh. v. Chr., d. h. in die späte Latènezeit, datieren. Es handelt sich um das Handwerkerviertel einer größeren Siedlung.

Öffentlichkeitsarbeit

In Presseangelegenheiten und Fragen zum Bereich der Öffentlichkeitsarbeit des Landesamtes wenden Sie sich bitte an:


Archäologische Denkmalpflege

Dr. Anja Endrigkeit
Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie
Humboldtstraße 11
99423 Weimar
Tel.: 0361 / 57 322 3319
E-Mail: anja.endrigkeit@tlda.thueringen.de


Bau- und Kunstdenkmalpflege

Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie
Petersberg Haus 12
99084 Erfurt
Tel.: 0361 / 57 341 4300
E-Mail: post.erfurt@tlda.thueringen.de

Der Freistaat Thüringen in den sozialen Netzwerken: