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Wiederentdeckt und neu datiert – das wüste Dorf Kirrode, Lkr. Eichsfeld

Südlich der Ortslage Leinefelde, Lkr. Eichsfeld, auf einem Hang oberhalb des Flüsschens Ohne sind auf den historischen Karten verschiedenen Flurbezeichnungen eingetragen, die Hinweise auf eine mittelalterliche Wüstung namens „Kirrode“ geben. Bereits seit den 1990ern wurden durch ein engagiertes Team ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger zahlreiche Funde aus diesem Areal gemeldet. Im Vorfeld verschiedener Straßenbauprojekte konnten zwischen 2003 und 2020 große Teile des mittelalterlichen Dorfes durch das Thüringische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie (TLDA) archäologisch untersucht werden.

Neben mehreren Hausgrundrissen wurden im Bereich der Flussaue zahlreiche Befunde dokumentiert, die Überreste handwerklicher Tätigkeiten wie Gerberei, Töpferei oder Buntmetallverarbeitung enthielten. Offensichtlich wurde der Bereich am Rand der Siedlung in unmittelbarer Gewässernähe von den im Dorf ansässigen Handwerkern genutzt. Ein Graben, der vermutlich Teil einer Dorfbefestigung war, umschloss zumindest Teile der Siedlung. Über eine Erdbrücke, die den Graben querte, führte ein mit Bruchsteinen befestigter Weg in das Dorf.

Luftbild der Grabungsfläche (Foto: M. Milbradt, TLDA, Weimar)

Luftbild der Grabungsfläche, die sich an Straße entlangzieht

Grubenhaus des 10./11. Jh. (Foto: M. Milbradt, TLDA, Weimar)

Blick von oben auf einen Grabungsschnitt mit dunkler, rechteckiger Erdverfärbung

Buckelfibel im Borrestil (Foto: H. Arnold, TLDA, Weimar)

Foto: Runder Metallfund mit Muster aus feinen Linien

1297 wird Kirrode erstmals urkundlich erwähnt und in den folgenden Jahren in verschieden Schriftquellen genannt. Bereits in der ersten Hälfte des 14. Jh. scheint der Ort aber einen rasanten Niedergang erlebt zu haben. Die historischen Quellen, der auf -rode endende Name des Dorfes, aber auch das Gros der Funde datierten den Ort bisher in die Zeit des spätmittelalterlichen Landesausbaus im Eichsfeld. Umso überraschender waren immer wieder auftretende Fundstücke, die auf einen deutlich älteren Ursprung der Siedlung deuten. So erbrachte eine der ersten Grabungskampagnen eine skandinavische Buckelfibel im Borrestil. Dem stark abgenutzten Stück fehlt der Nadelapparat. Es wurde jedoch mit einem Loch versehen und vermutlich als Amulett getragen.

Im Sommer 2020 wurden schließlich mehrere Grubenhäuser freigelegt, in deren Verfüllung sich Irdenware des 10./11. Jh. fand. Somit konnte zweifelsfrei belegt werden, dass hier bereits im 11. Jh. eine Siedlung bestand, die in den spätmittelalterlichen Schriftquellen unter dem Namen „Kirrode“ geführt wurde und die noch vor der Mitte des 14. Jh. wüst fiel.
 

Dr. Christian Tannhäuser
Gebietsreferent Städte, TLDA, Weimar

Tel.: 0361 / 57 3223 325
E-Mail: christian.tannhaeuser@tlda.thueringen.de

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