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Jakobskapelle in Gotha entdeckt

Im Zuge der Sanierung des Gothaer Hauptmarktes finden seit 2018 archäologische Untersuchungen durch das Thüringische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie (TLDA) statt. Seit dem Ende des 19. Jh. verläuft auf der Ostseite des Marktes der Leinakanal, der die Stadt schon seit dem 14. Jh. aus fast 30 km Entfernung mit Wasser versorgte. Der Kanal änderte im Laufe der Jahrhunderte allerdings mehrfach seinen Verlauf. Ältere Trassen in Form von gemauerten Kanälen und hölzernen Leitungen, die einzelne Häuser versorgten, konnten im Verlauf der Arbeiten mehrfach dokumentiert werden. Das heute den Markt prägende Rathaus hat diesen prominenten Standort erst seit dem 16. Jh., weitere Gebäude sind über Pläne und Stadtansichten überliefert.

Nördlich des Rathauses ist die Jakobskapelle über urkundliche Quellen belegt, die bis 1299 zurückreichen. Ein Baudatum ist nicht bekannt. Zur Kapelle gehörte ein aus Stadtansichten kurz vor dem Abbruch überlieferter Turm. Nach der Niederlage der Stadt in den Grumbach‘schen Händeln im Jahr 1567 mussten Kapelle und Turm abgebrochen werden. Der Turm war während der Belagerung der Stadt als Geschützstandort genutzt worden und wurde daher als Machtzeichen der Stadt zerstört.

Die Grabungen erbrachten nördlich des Rathauses älteste Siedlungsspuren in Form von Pfosten und Gruben, die in das 12./13. Jh. datieren. Wenige urgeschichtliche Funde deuten zudem auf eine noch ältere Besiedlung hin. Von einer mit 1,85 m Breite sehr massiven, Nord-Süd-verlaufenden Mauer konnte das Ende im Süden erfasst werden. Vom Anschluss nach Westen war nur noch eine abrupt endende Ausbruchsgrube erhalten. Diese Mauer wurde vom östlichen Abschluss des Kapellenfundaments überbaut. Eine Erklärung für die ältere Mauer gibt es bislang nicht.

Die Jakobskapelle in Gotha überschneidet eine massive ältere Mauer, deren Zweck unklar ist (Foto: K. Sczech, TLDA, Weimar)

Foto: Auf der Grabung sind Fundamente von Mauern aus großen Steinen freigelegt

Die Kapelle, ein Saalbau mit einfacher Ostapsis, wurde als opus-spicatum-Mauerwerk aufgeführt (Schalenmauerwerk mit Mauerkern in ährenförmig geschichteten Steinen). Die Breite der Kapelle beträgt außen15,60 m. Da der Ostabschluss durch jüngere Störungen nicht erfasst werden konnte, lässt sich nur eine Mindestlänge von 14,60 m angeben. Die Mauern sind auf der Südseite durchschnittlich 1,65 m breit, die der Kapellenostwand zwischen 1,30 m und 1,70 m. Auch die Gründungstiefe ist sehr unterschiedlich. Sie reicht von wenigen erhaltenen Steinlagen bis zu einer bei über einem Meter nicht erreichten Gründungssohle. Dies könnte mit unterschiedlichem Baugrund zusammenhängen. Vermutlich war auch zur Bauzeit das den Hang hinablaufende Wasser ein Problem.

Rätsel stellt der in den Abbildungen überlieferte Turm der Kapelle dar: Zwar wurde im Westen des Kapellenrestes ein weiterer Fundamentzug in Nord-Süd-Richtung angetroffen, aber weder die Mauerstärke noch die Dimensionen des nach den wenigen Resten möglichen Grundrisses lassen hier die Rekonstruktion eines Turmes zu. Zukünftig wird der Grundriss der Kapelle, mit den nötigen Erläuterungen, auf der Oberfläche des Platzes dargestellt.

Ronny Krause, Karin Sczech
 

Dr. Christian Tannhäuser
Gebietsreferent Städte, TLDA, Weimar

Tel.: 0361 / 57 3223 325
E-Mail: christian.tannhaeuser@tlda.thueringen.de

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