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Eisenverhüttung in Eisfeld, Lkr. Hildburghausen

Die in Etappen erfolgten durch das Thüringische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie (TLDA) Ausgrabungen im Rahmen des Hochwasserschutzes in der Altstadt von Eisfeld, Lkr. Hildburghausen, förderten von 2018–2020 entlang der Werra einige für die frühe Stadtgeschichte bedeutende Befunde zu Tage. Zwei Meter unter heutigem Niveau fanden sich dicht beieinander Reste zweier rundovaler, hochmittelalterlicher Rennöfen. Beide Ofenkammern waren mit groben, temperierten, verschlackten Flusssteinen gefasst und mit Asche- und Schlackeschichten verfüllt. Sie datieren in die Mitte bis zweite Hälfte des 12. Jh., wobei Ofen 2 mehrere Nutzungshorizonte aufweist und etwas jünger als Ofen 1 ist.

Die Analyse der Schlacken in der Fachhochschule Schmalkalden zeigt einen Eisenanteil von mehr als 70 %, was für eine frühe Verhüttung im Rennfeuer spricht. Als Rohstoff diente das in der Umgebung anstehende Raseneisenerz. Ein etwa 4,50 m südlich gelegenes, NO-SW-gerichtetes, 2,50 × 3,40 m großes Grubenhaus mit Firstpfosten wurde zeitgleich mit den Rennöfen errichtet und enthielt unter anderem ein eisernes Messer. Am Ende des 12. Jh. brannte das Grubenhaus ab. Eine Schlackegrube bekräftigt neben den beiden Rennöfen in gleicher Bauweise und Ausrichtung das Bild eines hochmittelalterlichen Verhüttungsareals im Bereich der Justus-Jonas-Straße. Alle Befunde wurden im 13. Jh. mit einer massiven Planierschicht überdeckt. Auf demselben Areal wurde im 14./15. Jh. erneut verhüttet.

Auswahl an Funden aus dem Rennofen 2, dem Grubenhaus und dem Sohlgraben (Foto: TLDA, Römhild)

Fundzeichnungen und -fotos von Keramikscherben und Eisenmesser

Ein im Frühmittelalter angelegter, etwa 2,50 m breiter und noch 1,20 m tiefer Sohlgraben wurde in drei Abschnitten über einen längeren Zeitraum verfüllt. Der Graben verläuft in einer Schleife von Nordwesten nach Südwesten. Die obere Schicht ab einer Tiefe von 2,60 m unter heutiger Oberfläche datiert ins 12. Jh. und entspricht der Nutzungszeit der Rennöfen. Eine kompakte, 0,50 m mächtige Lehmschicht trennt die hoch- und frühmittelalterlichen Verfüllungsabschnitte des Grabens. Darin fanden sich Getreidereste. Die frühmittelalterliche Schicht darunter ist 0,50 m stark und mit kompaktem Lehm verfüllt, der zur Sohle stark mit Holzkohle durchsetzt ist.

Rauwandige und wellenverzierte-, sand-, glimmer- und quarzgemagerte Keramik datiert den Graben in die Zeit der Ersterwähnung Eisfelds im Jahr 802. Es handelt sich um den bislang ältesten Siedlungsbeleg im Stadtgebiet. Eine 14C-Datierung zur Absicherung der frühen Zeitstellung befindet sich in Vorbereitung. Vereinzelt konnte aus dem Graben verlagerte prähistorische, vermutlich latènezeitliche Keramik geborgen werden.

Dominik Labitzke


Dr. Mathias Seidel
Gebietsreferent Südthüringen, TLDA, Römhild

Tel.: 0361 / 57 3222 011
E-Mail: mathias.seidel@tlda.thueringen.de

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