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Befundvielfalt am Engelplatz in Jena

Am Jenaer Engelplatz waren aufgrund der Errichtung eines Gebäudes für die Ernst-Abbe-Bücherei und den Bürgerservice archäologische Untersuchungen durch das Thüringische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie (TLDA) notwendig. In direkter Nachbarschaft zum 1414 gegründeten Karmeliterkloster fanden hier bereits seit 1997 Grabungen statt. Neben den klosterzeitlichen Befunden, darunter Steingebäude, Keller, Latrinen und eine Töpferei, wurde auf dem Areal auch der Rest einer spätbronzezeitlichen Siedlung dokumentiert. Mehrere Schlitzgruben belegen sogar die Nutzung des Geländes seit dem Neolithikum.

Mit der Ausgrabung der südlichen, sich bis zur Neugasse hinziehenden Anschlussfläche wurden 2019 die bisherigen Ergebnisse vervollständigt. Neben den Resten prähistorischer Gruben wurden vor allem spätmittelalterliche und frühneuzeitliche Gruben erfasst. Keramik, renaissance- und barockzeitliche, mit Evangelistenszenen versehene Ofenkacheln sowie u. a. in Trier, Regensburg und Zwickau/Schneeberg geprägte Münzen datieren sie in diese Zeit.

Zwei Mauern aus behauenen Kalksteinen stammen noch von einem spätmittelalterlichen Keller. Wenig darunter findet sich grober Flusskies der Saale (Foto: TLDA, Weimar)

Auf einer Grabung sind die hoch erhaltenen Mauern eines Kellers freigelgt

Porzellanpfeifenkopf des 19. Jahrhunderts mit der Darstellung einer Jagdszene (TLDA, Weimar)

Runder Pfeifenkopf, filigran mit Figuren und Landschaft bemalt

Von zwei dokumentierten Kellern als Teil einer rückwärtigen Bebauung war ein 10,50 × 5,50 m großer, in mindestens zwei Bauphasen entstandener Gewölbekeller noch vollständig intakt. Vom zweiten, unvollständig erhaltenen Keller konnten noch Mauern aus behauenen Kalksteinen von 1,80 m bzw. 4,50 m Länge erfasst werden. Im direkten Umfeld dieses Kellers fanden sich zahlreiche jüngere Mauern des 19. Jh. aus Back- und Feldsteinen. Sie stammen von der Vorderhausbebauung der Neugasse. Nördlich dieses Befundkomplexes fanden sich teils kesselförmige Abfallgruben und Kulturschichten mit Keramik des 14. und 15. Jh. Sie zeugen zusammen mit den Kellerbefunden von der spätmittelalterlichen vorstädtischen Besiedlung Jenas in diesem Areal.

Unter den mittelalterlichen Funden sind ein Hufeisen, eine Sichel, eine Gürtelschnalle und eine Knochenpfeife erwähnenswert. Eine Messergriffschale aus Horn, Murmeln, ein bemalter Porzellanpfeifenkopf, ein sekundär verbauter Schleifstein, ein Wetzsteinfragment, ein eisernes Beil und muschelförmige Dekordachziegel stammen aus neuzeitlichen Schichten. Zusammen mit den um 2000 publizierten Ergebnissen ist nun das Nachzeichnen der Geschichte dieses Jenaer Stadtteils, besonders im 14. und 15. Jh., möglich.

Andreas Hummel und Tim Schüler
 

Dr. Tim Schüler
Gebietsreferent Jena, TLDA, Weimar

Tel.: 0361 / 57 3223 345
E-Mail: tim.schueler@tlda.thueringen.de

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