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Häuser der Schnurkeramiker aus Erfurt-Stotternheim

Im Südwesten des Internationalen Logistikzentrums Erfurt-Stotternheim (ILZ) errichtete die Versandhandelsfirma Amazon auf einem Grundstück, das von der Bundesautobahn A 73 und der ILG-Lagerhalle eingefasst wird, einen Parkplatz. Bauvorgreifend wurde im Frühsommer 2019 eine Fläche von 14.000 m2 archäologisch untersucht. Auf den nördlich und östlich angrenzenden Flächen waren bei den Grabungen der letzten Jahre umfangreiche vorgeschichtliche Siedlungsspuren entdeckt worden, darunter vor allem Hockerbestattungen der Schnurkeramischen Kultur sowie einige Hausgrundrisse, die zunächst nicht datiert werden konnten (vgl. AiD 27, 2011/5, 56 f.).

Im Südosten des aktuellen Untersuchungsgeländes wurden einige Siedlungsgruben und ein kleines Speichergebäude freigelegt. Dessen Längswände aus acht, in zwei Reihen angeordneten Pfosten waren leicht nach außen gebaucht, ein typisches Merkmal der Hausbauten der ausgehenden Jungsteinzeit. Die äußeren Abmessungen des Gebäudes betrugen 6 m × 1,80 m bzw. 2,50 m. Es ähnelt in Konstruktion und SSO-NNW-Ausrichtung den – allerdings deutlich größeren – Häusern der früheren Grabungen im ILZ. Eine 1,5 cm hohe Wandscherbe mit der charakteristischen Schnurverzierung erlaubt die Datierung des neu entdeckten Speicherbaus, denn eine jüngere Siedlungsphase ist in dem Areal nicht nachzuweisen und eine sekundäre Einlagerung der Keramik demnach auszuschließen. Bei dem Gebäude handelt es sich um einen Speicher, dessen Lagerboden zum Schutz vor Schädlingen einige Dezimeter über dem Erdboden angebracht war. Etwa 60 m nördlich lag eine mittelgroße, unregelmäßige Lehmentnahmegrube. Hier wurde das Material für die Füllungen der Hauswände aus Flechtwerk und den Estrichfußboden gewonnen.

Die acht Pfostengruben, auf dem Bild bereits geschnitten, gehören zu einem kleinen Speichergebäude (Foto: Lutz Jansen, TLDA, Weimar)

Braunrötlicher Erduntergrund zeigt dunkle Pfostenspuren von Hausgrundriss

Die schnurkeramische Scherbe aus einer der Pfostengruben (Foto: Lutz Jansen, TLDA, Weimar)

Etwa 1,5 cm breite Keramikscherbe aus bräunlichem Ton

Bei Stotternheim bestand damit eine weilerartig strukturierte Siedlung der Schnurkeramiker, bei der zu den Hofplätzen unterschiedlich große Bestattungsareale gehörten. Zahlreiche archäologische Fundstellen in der Umgebung charakterisieren die flachhügelige Landschaft im Norden des Thüringer Beckens mit der exponierten Höhe des Roten Berges als einen seit dem Neolithikum immer wieder besiedelten Raum. Die Auswertung der von 2010 bis 2019 dokumentierten Siedlungsbefunde und insbesondere der weit über 100 Bestattungen der schnurkeramischen Bevölkerung, die auf dem Gelände des ILZ aufgedeckt bzw. geborgen werden konnten, wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Die Ergebnisse werden einen wichtigen Beitrag zu der frühen Siedlungsgeschichte des Thüringer Beckens leisten.

Lutz Jansen


Dr. Karin Sczech,
Gebietsreferentin Städte, TLDA, Weimar

Tel.: 0361 / 57 3223 342
karin.sczech@tlda.thueringen.de

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