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Großvargula – Eine goldene Münze zwischen den Zähnen

Im Zuge des Neubaus der Fernwasserleitung Gräfentonna – Herbsleben wurde auf einer seichten Anhöhe etwa 1,5 km südwestlich der Ortslage Großvargula (Unstrut-Hainich-Kreis), ein Bestattungsplatz der Merowingerzeit entdeckt und durch das Thüringische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie (TLDA) untersucht. Auf einer Fläche von circa 0,4 ha waren mehr als 40 Grablegen in lockerer Anordnung verteilt.

Lediglich im Ostteil des Gräberfeldes waren die Gräber in typischer Reihung angeordnet. Man bestattete die Verstorbenen in Kammern, die in den anstehenden Lößlehm gegraben und mit einer hölzernen Decke verschlossen wurden.  Bemerkenswert ist dabei zum einen die Tiefe der einzelnen Grabgruben von durchschnittlich mehr als 1,7 m unter der heutigen Oberfläche und zum anderen eine ungewöhnliche Häufung von Nachbestattungen. Etwa die Hälfte der dokumentierten Gräber wurde geöffnet, um ein weiteres Mal einen Verstorbenen zu beerdigen. So wurde in einigen Grabgruben bis zu drei Mal bestattet. Auf diese Weise entstandene Etagengräber sind auch von anderen merowingerzeitlichen Friedhöfen Thüringens bekannt. Die Frage nach der Intention hinter dieser Bestattungssitte konnte bislang noch nicht beantwortet werden.

Bestattung einer Frau mit Glasperlenketten und goldener Obolusbeigabe (Foto: H. Arnold, TLDA, Weimar)

Über Halsbereich eines Skelettes liegen bunte Glasperlen, daneben eine Goldmünze

Stilisiertes Kaiserporträt auf der Schauseite des Obolus (Foto: H. Arnold, TLDA, Weimar)

Goldmünze mit grob gezeichnetem Kopf und Fantasie-Schriftzeichen

Etagenförmig übereinanderliegende Nachbestattungen (Foto: S. Jahn, TLDA, Weimar)

Säuberlich freigelegte Grabgrube, darin Gefäßbeigaben und Skelettknochen

Den Verstorbenen wurden Gefäße aus Glas und Keramik, Schmuck, Gebrauchsgegenstände sowie Waffen mit ins Grab gelegt. Einer Frau, die eine Kette aus über 100 Glasperlen trug, legte man als Obolus ein goldenes Amulett in den Mund. Das Stück ist einer Münze, vermutlich einem römischen Triens, nachempfunden. Die Vorderseite zeigt ein stark stilisiertes Kaiserporträt; auch die Münzumschrift ist nur symbolisch als solche erkennbar. Eine Münzrückseite wurde ausgearbeitet. Auch wenn es sich bei dem Stück um eine offensichtlich eher schlechte Nachahmung handelt, ist es doch in eine Reihe mit echten Münzprägungen zu stellen, die aus vergleichbaren Gräbern im Thüringer Becken stammen.
 

Dr. Christian Tannhäuser
Gebietsreferent TLDA, Weimar

Tel.: 0361 / 57 3223 325
christian.tannhaeuser@tlda.thueringen.de

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