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Hallstatt-Depots und Latène-Eisenhütte bei Zeutsch, Lkr. Saalfeld-Rudolstadt

Die im Saaletal verlaufende Bundesstraße 88 soll im Bereich der Ortslage Zeutsch, Lkr. Saalfeld-Rudolstadt, einen neuen Verlauf erhalten. Aus diesem Grund fanden in den Jahren 2017 und 2018 bauvorgreifende archäologische Untersuchungen statt. Dabei wurden mehrere neue Fundplätze erfasst.

Am südwestlichen Ortsrand wurde am Fuß des Hanges zwischen Nieder- und Mittelterrasse ein hallstattzeitliches Siedlungsareal angeschnitten, zu dem mehrere Gruben, zwei Gefäßdepots und ein Gebäudegrundriss gehörten. Die Befunde waren von einem bis zu 2,50 m mächtigen Lehmpaket bedeckt, das auf massive Hangrutschungen in den letzten ca. 2500 Jahren verweist. Im Bereich der Niederterrasse war die Siedlung von einem Saalemäander gekappt worden. Neben Keramikscherben erbrachte der Fundplatz Reibemühlen, Spinnwirtel, eine Gewandnadel vom Typ Niederkaina, einen Bronzearmring und eine Geschossspitze.

Blick über die Grabungsfläche. Im Hintergrund die Ortslage Zeutsch (Foto: F. Schönfeld, TLDA, Weimar)

Über einer Grabungsfläche mit Bagger wölbt sich ein Regenbogen

Eines von zwei Gefäßdepots (Foto: F. Schönfeld, TLDA, Weimar)

Ein flach gedrücktes Keramikgefäß liegt in Scherben, darauf ein größerer Stein

Ein Ofen aus dem Verhüttungsareal (Foto: F. Schönfeld, TLDA, Weimar)

In Grabungsprofil zeigen sich deutlich graue, feste Schlackereste

Nordöstlich von Zeutsch konnte an einem flachen Hang ein ausgedehntes Siedlungsareal der frühen bis mittleren Latènezeit angeschnitten werden. Der südliche Bereich wurde dominiert von Vorratsgruben mit glockenförmigen Profilumrissen. Zahlreiche Pfostenverfärbungen verweisen auf Gebäudegrundrisse. Neben siedlungstypischen Funden konnten hier ein Fibelbügel, Fragmente eines Bronzearmringes, Spinnwirtel und Webgewichte geborgen werden. Ca. 100 m nördlich befanden sich fünf schlackenführende Ofengruben. Ihre 14C-Datierungen belegen, dass dort zeitgleich zur Siedlung ein Verhüttungsareal bestand.

Offensichtlich dehnte sich die latènezeitliche Besiedlung bis in die Flussaue aus. Östlich von Zeutsch konnten 1,80 m unter der Geländeoberfläche zwei ein- bzw. zweischiffige Hausgrundrisse erfasst werden. Direkt auf dem Latènehorizont lag eine spätmittelalterlich-frühneuzeitliche Kulturschicht mit Gebäudefundamenten.

Uwe Petzold/Ines Spazier
 

Dr. Ines Spazier
Gebietsreferat Ostthüringen, TLDA, Weimar

Tel.: 0361 / 57 3223 343
E-Mail: ines.spazier@tlda.thueringen.de

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