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Gräber in Grenzsituation bei Greußen, Kyffhäuserkreis

Bei der Erweiterung eines Windparks in der Nähe von Greußen wurde durch das Thüringische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie (TLDA) ein neues schnurkeramisches Gräberfeld entdeckt. Es handelt sich dabei um sechs Bestattungen, die in charakteristischer Hockerlage überwiegend von Südwest nach Nordost ausgerichtet waren. Darüber hinaus wurde ein mit auffällig reichhaltigem keramischem Inventar versehener Grubenbefund dokumentiert, in dem sich neben mehreren Amphoren und Bechern mit Schnurverzierung auch eine kleine, vollständig erhaltene Schale, ein Steinbeil sowie eine Silexklinge befanden. Die Bestattungen, darunter die eines Kindes, zeichnen sich hingegen durch eine äußerst beigabenarme Ausstattung aus.

Das Gräberfeld befand sich auf dem Südhang eines sich über das umgebende nördliche Thüringer Becken heraushebenden, ost-westlich verlaufenden Höhenrückens. Aufgrund dieser exponierten Lage wurde dieser Ort seit dem Endneolithikum wiederholt als Bestattungsplatz gewählt, worauf auch ein bei den aktuellen Bauarbeiten teilweise freigelegter, etwa 12 m im Durchmesser erreichender, bronzezeitlicher Kreisgraben hinweist.

Schnurkeramische Hockerbestattung eines Kindes aus der Nähe von Greußen (Foto: TLDA, Weimar)

Im Boden als dunkle Verfärbung erkennbare einstige Grube mit Schädel und Knochen

Aus einer spätmittelalterlich-frühneuzeitlichen Sekundärbestattung stammt dieser Schädel mit Hiebmarke auf dem Stirnbein (Foto: TLDA, Weimar)

Foto: Menschlicher Schädel, dem die untere Gesichtspartie fehlt

Darüber hinaus lassen sich ebenfalls auf der Anhöhe entdeckte, spätmittelalterliche bis frühneuzeitliche Körpergräber als Indizien für eine Nutzung als Galgenhügel werten. So wurden in einer kleinen Grabgrube die Überreste von mindestens vier Individuen sekundär deponiert, zudem wurde eine Bauchbestattung dokumentiert. Bei allen Individuen handelte es sich um Männer, die im Alter zwischen 20 und 50 Jahren verstorben sind. Die Überreste weisen eine auffällige Häufigkeit an traumatischen und pathologischen Merkmalen auf: Bei einem Oberschenkel wurde eine seltene Erkrankung, Myositis ossificans („Weichteilverknöcherung“), nachgewiesen. Ein anderes Individuum erlitt eine Hiebverletzung auf der Stirn, die aber lange vor dem Tod überstanden war. Ein weiterer Kopf könnte möglicherweise nach dem Tod aufgespießt gewesen sein. Die Befundlage macht diese kleine Serie aus anthropologischer Sicht außergewöhnlich.

Die herausgehobene Lage des Platzes schlägt sich schließlich bis heute in Gestalt politisch-administrativer Territorialeinteilungen nieder: Hier stoßen die beiden Gemarkungen der Stadt Greußen und des Ortes Gangloffsömmern aneinander.

Robert Knechtel, Jan Nováček          
 

Dr. Robert Knechtel
Gebietsreferent Nordthüringen, TLDA, Weimar

Tel.: 0361 / 57 3223 365
E-Mail: robert.knechtel@tlda.thueringen.de

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