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Grabungen auf dem Petersberg in Erfurt

Bei der Bundesgartenschau in Erfurt 2021 wird der Petersberg eine zentrale Rolle spielen. Da großflächige Bodeneingriffe vorgesehen sind, müssen im Vorfeld und teilweise baubegleitend archäologische Untersuchungen durch das Thüringische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie (TLDA) durchgeführt werden.

Heute dominiert die barocke und preußische Festungsanlage das Bild des Berges. Die archäologischen Untersuchungen zeigten, dass auf dem Plateau im Rahmen des Festungsbaus großflächiger und tiefgreifender Bodenabtrag stattgefunden hat. Mittelalterliche Siedlungsschichten sind daher größtenteils beseitigt und selbst in den Boden eingetiefte Befunde teilweise zerstört.

Sockelbereich der Leonhardskirche auf dem Petersberg (Foto: K. Sczech, TLDA, Weimar)

Schmale, tiefe Grube, darin rötliches Mauerwerk aus großen Steinen sichtbar

Mauerrest der mittelalerlichen Befestigung auf dem Petersberg (Foto: K. Sczech, TLDA, Weimar)

An sehr hohen Befestigungsmauer ist altes Mauerfundament kniehoch freigelegt

Auf dem höchsten Punkt befand sich das Peterskloster, von dem heute nur noch die trotz jüngerer Um- und Rückbauten noch immer imposante romanische Kirche St. Peter und Paul erhalten ist. Mit guten Gründen wird auf dem Berg auch eine Königspfalz vermutet, königliche Aufenthalte sind mehrfach für das 9. und 10. Jh. überliefert. Bis 1945 stand auf dem Plateau außerdem die Leonhardskirche südlich des Klosters, deren großer Pfarrbezirk am Hang des Berges und zu seinen Füßen lag.  Nach Kriegszerstörungen lässt sich heute nur noch der Grundriss in der Grünanlage ablesen. Bei einer Straßenbaumaßnahme wurden bereits im Jahr 2001 Gräber freigelegt, die zum Friedhof dieser Kirche gehörten.

Als Charonspfennig hatte einer der Bestatteten eine Münze im Mund, die als ein in Utrecht geprägter Denar Lothar I. (840–855) bestimmt werden konnte. Damit gab es einen ersten Hinweis auf eine bereits vorromanische Nutzung des Berges als Bestattungsplatz. Dies bestätigten die Grabungen seit dem Frühjahr 2019: Wiederum als Grabbeigabe konnte eine Kreuzemailscheibenfibel des 9.–10. Jh. geborgen werden. Der Erhaltungszustand der Kirche selbst konnte in einem kleinen Schnitt geklärt werden. Der Festungsbau war mit großflächigen Erdbewegungen verbunden. Alte Oberflächen und archäologische Schichten sind dadurch fast vollständig zerstört, im Bereich dieser Kirche jedoch fanden Auffüllmaßnahmen statt, wodurch der Sockelbereich der Kirche im Boden verschwand und trotz Kriegszerstörungen erhalten blieb. Grabungen innerhalb der Kirche sind daher selbst für vorromanische Befunde erfolgversprechend.

Drohnenaufnahme des ehemaligen Paradieses der Peterskirche mit eingebetteten Bestattungen (Foto: M. Milbradt, TLDA)

Luftbild, das in rötlicher Erde freigelegte feste Mauerfundamente zeigt

Auch zur Peterskirche konnten weitere Erkenntnisse gewonnen werden. Der flächige Abtrag westlich der Kirche brachte die Süd- und einen Teil der Westmauer des barocken Abtsgebäudes zum Vorschein. In den Fundamenten waren romanische Spolien vermauert. Sie stammen mit großer Sicherheit vom Paradies, der westlichen Vorhalle der Kirche, von der nur unklare Ansichten erhalten sind. Da man die Steine des Paradieses entfernte, lassen sich die Maße lediglich an den Ausbruchsgruben ablesen. Zeichnungen der Westfassade der Peterskirche aus den 1920er Jahren belegen den stumpfen Anschluss der Paradiesmauern an das Mauerwerk und auch die Wandstärke. Im Paradies wurden mehrere Bestattungen, die mittelalterlich bis neuzeitlich datiert werden können. Vermutlich erfasste man bereits beim Bau des Abtsgebäudes ältere Gräber, denn in den Ausbruchsgruben des Paradieses wurden Langknochen und Schädel niedergelegt.

Zum Verlauf der mittelalterlichen Befestigung konnten ebenfalls neue Informationen gewonnen werden. Etwas nördlich des Stasi-Unterlagen-Archivs wurde eine über 2 m starke Mauer freigelegt, die auf den östlich des Archivs vor einigen Jahren freigelegten Turmrest fluchtet. In der westlich angrenzenden Böschung sind von dieser Mauer noch mehrere Lagen vorhanden, im Straßenbereich ist sie nur noch in ihrem Fundament erhalten geblieben.


Dr. Karin Sczech,
Gebietsreferentin Städte, TLDA, Weimar

Tel.: 0361 / 57 3223 342
E-Mail: karin.sczech@tlda.thueringen.de

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