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Grabhügel in Obstgarten von Obendorf, Lkr. Schmalkalden-Meiningen

Während einer Rettungsgrabung in Obendorf, Lkr. Schmalkalden-Meiningen, wurde dem Thüringischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie 2019 eine Brillenspirale übergeben, die eine Anwohnerin vor einigen Jahren im benachbarten Garten gefunden hatte. Obendorf, urkundlich erstmals 1306 erwähnt, liegt siedlungsgünstig in der Einsenkung einer Hochfläche am nördlichen Rand des Grabfeldes. Eine denkmalgeschützte Brunnenstube, deren Sanierung den Anlass zu der Ausgrabung gab, bezeichnet den Ort einer seit Jahrtausenden schüttenden Quelle. Diese hatte immer wieder Menschen angezogen. Die Ausgrabung erbrachte Siedlungsnachweise aus der Hallstattzeit (7.–6. Jh. v. Chr.), Latènezeit (3.–1. Jh. v. Chr.) und der Römischen Kaiserzeit (2.–3. Jh. n. Chr.) sowie aus dem frühen bis hohen Mittelalter (10.–13. Jh. n. Chr.).

Obendorf. Die hervorragend erhaltene Brillenspirale wiegt 241 Gramm und besteht aus einer Zinnbronze. Durchmesser der linken Spirale 7,5 cm (H. Arnold, TLDA, Weimar)

Eine sogenannte Brillenspirale aus rundem Bronzedraht, grün patiniert

Bei dem übergebenen Objekt handelt es sich um eine vollständige Brillenspirale mit enger Wicklung aus der Hügelgräberbronzezeit (16.–13. Jh. v. Chr.). Deren Regionalgruppe hatte in der Mitte des 2. Jahrtausends die kulturelle Entwicklung in Südthüringen, Osthessen und Oberfranken geprägt. Der untere Teil des bogenförmigen Bügels sowie die beiden äußeren Windungen tragen auf der Vorderseite eine sorgfältig gravierte Verzierung aus strichgefüllten, stehenden Dreiecken, einem schrägen Leitermuster sowie feinen, randbegleitenden Kerben. Die Rückseite ist unverziert. Große, aufwändig verzierte Brillenspiralen, die Teil der weiblichen Tracht waren, datieren an das Ende der Hügelgräberbronzezeit. Vergleiche liegen aus Klings oder Unterkatz in der thüringischen Rhön vor.

Ein digitales Geländemodell zeigt am Fundort der Brillenspirale einen noch 0,3 m hohen Grabhügel, dessen Durchmesser mit 10 m veranschlagt werden kann. Der Schmuck gehört somit zum Inventar der Körperbestattung einer Frau der Fulda-Werra-Gruppe der Hügelgräberbronzezeit. Die Rettungsgrabung erbrachte keine zeitgleichen Funde, so dass die zugehörige mittelbronzezeitliche Siedlung wie so häufig der Auffindung harrt.


Dr. Mathias Seidel
Gebietsreferat Südthüringen, TLDA, Römhild

Tel.: 0361 / 57 3222 011
E-Mail: mathias.seidel@tlda.thueringen.de

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