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Der Schatz im Wald – der „Uhrdaer Lindenschatz“, Lkr. Weimarer Land: Auffindung und erste Auswertung

Fundgeschichte

Bei Schachtungsarbeiten zur Eingrabung einer Zaunsäule im Vollradisrodaer Forst südlich von Döbritschen im Lkr. Weimarer Land bemerkte Katjana Hesse völlig überraschend einige papierdünne, korrodierte Metallplättchen auf ihrem Spaten. Schnell stellte sie fest, dass in geringer Tiefe im von Baumwurzeln durchzogenen Waldboden noch mehr davon lagen. Sie tat das einzig Richtige: Sie stellte ihre Arbeiten ein, benachrichtigte den zuständigen Revierförster und bewachte ihre Fundstelle. Auch das Thüringische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie (TLDA) in Weimar und der Grundstückseigentümer, die evangelische Kirche Thüringens, wurden benachrichtigt. Ein Ortstermin mit dem zuständigen Archäologen ergab den seltenen Befund eines hochmittelalterlichen Münzschatzes mit Hohlpfennigen in einem Gefäß in situ. Eine zügige Ausgrabung war geboten. Sie erfolgte nach flächiger Freilegung und Dokumentation im Block. Erste Ergebnisse lieferten das Röntgenbild und ein CT (s. u. Beitrag T. Schüler). 

Der im Block befindliche Münzschatz (Foto: Th. Grasselt, TLDA, Weimar)

Auf einer Schaufel liegt der mit weißen Bandagen gut verpackte Hortfund

Vorderseite eines in Jena geprägten Hohlpfennigs (Foto: H. Arnold, TLDA, Weimar)

Restaurierte Silbermünze mit eingeprägten Trauben und leicht beschädigtem Rand

Den Inhalt des kleinen Münzgefäßes bilden 490 Hohlpfennige und 16 Groschen, soweit schon erkennbar, des 15. Jh. Sie sind dicht gepackt, teilweise gestapelt in das Gefäß gelangt und füllen es bis zum Rand. Eine kleine Sandsteinplatte diente ehemals als Abdeckung. Eine Baumwurzel hatte den Deckstein und einige Münzen aus ihrer ursprünglichen Position gedrückt und auch den Gefäßrand beschädigt.

Achtzehn Hohlpfennige, die außerhalb des Gefäßes geborgen wurden, sind restauriert. Sie haben einen Durchmesser zwischen 17 und 20 mm, sind 0,3 mm dünn und stark korrodiert.  Ihr Silbergehalt liegt schwer messbar zwischen 50 % und 80 %. Sechzehn der Prägungen sind fünf Münzstätten zuzuordnen: Jena, Schleusingen, Gotha, Naumburg und Saalfeld.

Der Fundort – „Uhrdaer Linden“ – erhielt seinen Namen nach einer unmittelbar südlich gelegenen mittelalterlichen Wüstung, die historisch und archäologisch lokalisiert ist. Dieses Dorf Uhrda und weitere heute wüste Ortslagen in der Umgebung verdanken ihren Wohlstand  der Landwirtschaft und der Nähe zur Stadt Jena, die nur ca. 8 km weiter östlich liegt. Der Münzschatz, über dessen Verbergungsgrund nur schwer Sicherheit zu gewinnen sein wird, bereichert den Fundus numismatische Quellen des Freistaates zur regionalen Wirtschaftsgeschichte.
 

Dr. Thomas Grasselt 
Gebietsreferat Mittelthüringen, TLDA, Weimar

Tel.: 0361 / 57 3223 341
E-Mail: thomas.grasselt@tlda.thueringen.de
 

Tomografie des „Uhrdaer Schatzfundes“

Seit 2018 steht dem TLDA eine neue Röntgenanlage zur Verfügung, welche auch die Möglichkeit von Computer-Tomografie-Aufnahmen bietet. Die Anlage wurde so konzipiert, dass sie sowohl klassische Durchleuchtungen von Objekten in der Arbeitsposition an einem durchleuchtungsfähigen Objekt-Tisch als auch in einer zweiten Arbeitsposition mit einem Drehtisch gestattet. Damit die Objekte bei der Aufnahme mechanisch möglichst wenig belastet und auch größere Blockbergungen untersucht werden können, ist die an der Röngtenraumdecke befestigte Strahlungs- und Aufnahmeeinheit mit sieben mechanischen Achsen verstellbar.

Die Strahlungsquelle ist eine Bifokus-Röntgenröhre mit einer maximalen Arbeitsspannung von 200kV. Damit ist es möglich, Erdblöcke bis zu ca. 50 cm Dicke oder auch größere Metallobjekte zu durchdringen. Bei dem Detektor handelt es sich um einen Flachdetektor mit 40 cm Seitenlänge, der auch bei größeren Objekten verzerrungs- und versatzfreie Aufnahmen gestattet. Bei der Standardgeometrie lassen sich im Tomografiemodus Voxelgrößen von ca. 180 µm erreichen.

CT-Bild des dicht gepackten Münzgefäßes (Bild: TLDA, Weimar)

CT-Aufnahme mit weißen Schemen vieler dicht aneinander gepackter Münzen

Für die Tomografie des im Block geborgenen „Uhrdaer Lindenschatzes“ musste die Anlage sorgfältig justiert werden, da die Hohlpfennige aus Silber mit ihren geringen Dicken eine besondere Herausforderung an die Aufnahmequalität stellen. Ein weiteres Problem war der extreme Kontrast durch das stark absorbierende Silber im Gegensatz zu den nahezu gleich und deutlich schwächer absorbierenden Keramik- und Erdpartien. Hierfür musste das Energiespektrum der Röntgenstrahlung durch den Einsatz von Metallfiltern entsprechend optimiert werden. Der Block wurde im originalen Transportbehälter untersucht. Es zeigte sich, dass das Münzgefäß schon durch Erddruck oder Wurzeln stark fragmentiert ist und einige wenige Münzen nach außerhalb des Gefäßes in das Erdreich verlagert sind.

Der große Vorteil der Tomografie gegenüber der einfachen Durchleuchtung besteht darin, dass die genaue Lage der einzelnen Objekte genau dokumentiert wird und so auch nach der Entnahme der einzelnen Münzen noch nachvollziehbar ist. Im Fall des „Uhrdaer Lindenschatzes“ lässt sich deutlich erkennen, dass die Münzen in einzelnen Stapeln in das Münzgefäß gelegt wurden und nicht nur einfach einzeln eingefüllt waren. Die momentan am TLDA zur Verfügung stehende Rechenleistung gestattet es noch nicht, die einzelnen Stapel „virtuell“ zu separieren. Das wird aber in Zukunft möglich sein und daraus lassen sich dann möglicherweise einzelne Werteinheiten rekonstruieren, die für den Umlauf der Münzen wichtige Erkenntnisse liefern können.    
 

Dr. Tim Schüler
Abteilungsleiter Restaurierung/Konservierung, TLDA, Weimar

Tel.: 0361 / 57 3323 345
E-Mail: tim. schueler@tlda.thueringen.de

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